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Arthrose beim Pferd – gibt es Hilfe?

Gefürchtet, irreversibel und unheilbar: Die Diagnose „Arthrose“ bedeutet oft das Aus für Sport- und Freizeitpferde. Gibt es Mittel und Wege, das Fortschreiten einer Arthrose aufzuhalten? Wie du Schmerzen und Steifheit deines Pferdes bei einer chronischen Gelenkserkrankung lindern und deinem Liebling wieder zu mehr Bewegungsfreude verhelfen kannst, erfährst du hier.

Was ist Arthrose?

Arthrose ist eine Gelenkserkrankung, die durch degenerative Veränderungen von Gelenkknorpel und Knochenstruktur gekennzeichnet ist. Die mit dem Abbau des Gelenkknorpels und der Versteifung des betroffenen Gelenks verbundenen Schmerzen sind häufig Ursache von chronischen Lahmheiten bei Pferden. Jüngste Schätzungen deuten darauf hin, dass 60 % aller Lahmheiten im Zusammenhang mit arthrotischen Prozessen stehen. Arthrosen können in allen Gelenken auftreten. Am häufigsten sind Sprunggelenk („Spat“), Huf- und Fesselgelenk („Schale“) und Kniegelenk betroffen.

Wie funktioniert ein gesundes Gelenk beim Pferd?

Die Gelenke unserer Pferde sind enormen Belastungen ausgesetzt. Jahrzehntelang werden sie Tausende Male am Tag gedehnt, gebeugt und gestreckt. Sie tragen das Gewicht von Pferd und Reiter und federn wie Stoßdämpfer Erschütterungen ab.

Ein Gelenk ist eine komplex aufgebaute, bewegliche Verbindung zwischen zwei Knochen, die von einer Gelenkkapsel und Seitenbändern stabilisiert wird. Der Raum zwischen den Knochen ist mit Gelenksflüssigkeit (Synovia, Gelenksschmiere) ausgefüllt, die von der Gelenksinnenhaut (Synovialmembranen) reguliert wird und den Gelenkknorpel, der die zusammentreffenden Knochenenden bedeckt und polstert, mit Schmiermittel und Nährstoffen versorgt. Der Mechanismus von Produktion und Resorption der Gelenksflüssigkeit bewirkt, dass das Gelenk von Abriebsprodukten gereinigt wird.

Der Gelenkknorpel hat eine besonders wichtige Funktion: Er reduziert die Reibung im Gelenk, hält es beweglich und schützt es vor Überbelastung und Verschleiß. Das Knorpelgewebe besteht aus Kollagenfasern, einem zähen Protein im Bindegewebe, das der Knorpelsubstanz ihre Festigkeit verleiht. Die Kollagene sind mit Proteoglykanen verflochten, die Flüssigkeit aufnehmen können und für die Widerstandsfähigkeit des Gewebes sorgen. Wird das Gelenk gebeugt, dehnt und komprimiert sich der Knorpel und sorgt für die Zirkulation von Flüssigkeit in den Gelenkszwischenräumen. Man könnte den Knorpel auch mit einem Schwamm vergleichen: Er nimmt Flüssigkeit auf, wenn der Druck im Gelenk nachlässt, und drückt sie wieder heraus, wenn sich der Druck verstärkt, und fungiert auf diese Weise als Stoßdämpfer.   

Was passiert bei einer Arthrose?

Durch Belastungen wie Erschütterungen oder Überdehnung kommt es häufig zu winzigen Läsionen innerhalb des Gelenks. Leichte Entzündungsreaktionen im Gelenk tragen dazu bei, diese kleinen Schäden zu „reparieren“. Die körpereigenen Abwehrkräfte des gesunden Pferdes sind normalerweise ausreichend, um diese entzündlichen Prozesse unter Kontrolle zu halten, das Gelenk heilt aus und bleibt beweglich.  

Ist der Körper nicht mehr in der Lage, die Entzündung einzudämmen, zersetzen die im Entzündungsprozess frei werdenden Enzyme die Synovialflüssigkeit und verdünnen sie. In der Folge kommt es zu einer Kettenreaktion: Die Kollagenschicht wird nicht mehr ausreichend versorgt. Die Fähigkeit des Knorpels, Flüssigkeit aufzunehmen und abzugeben, wird vermindert. Dadurch werden wiederum Entzündungsreaktionen ausgelöst. Die Gelenkskapsel füllt sich mit Flüssigkeit, was zu Druck, Schmerzen und Steifheit und vor allem zu weiteren Entzündungen führt, die einen weiteren Abbau der Synovialflüssigkeit und damit eine fortschreitende Schädigung des Knorpelgewebes verursachen. Der Knorpel verliert seine Elastizität, die Knorpeloberfläche wird rau, der Reibungswiderstand steigt. Die Kollagenfasern können einreißen und der Knorpel kann sich vollständig auflösen, sodass die darunter liegenden Knochenenden aneinander reiben und der Knochen angegriffen wird. Als Reaktion darauf entstehen Knochenzubildungen, die das Gelenk versteifen.

Arthrose beim Pferd - Darstellung gesundes versus erkranktes Gelenk

Wodurch entstehen Arthrosen?

  • Häufig sind nicht ausgeheilte Gelenksentzündungen, wie sie nach Verletzungen vorkommen, die Ursache für eine Arthrose.
  • Fehlstellungen der Gliedmaßen und/oder der Hufe erhöhen das Risiko des Pferdes, an Arthrose zu erkranken.
  • Zu frühe und zu starke Belastung des Pferdes begünstigt chronische Gelenkserkrankungen. 

Abnutzungen des Gelenkknorpels zählen jedoch auch zu den normalen Alterserscheinungen, die bei vielen Pferdesenioren ab dem 18. Lebensjahr auftreten. 

Welche Symptome zeigt ein Pferd mit Arthrose?

Arthrose entwickelt sich schleichend und ist anfangs schwer zu erkennen. Manchmal ist das betroffene Gelenk deutlich wärmer und geschwollen. Manche Pferde zeigen schon früh Anzeichen von Arthrose wie steife Bewegungen oder kurze Tritte. Andere verweigern eine Richtung an der Longe, oder sie wollen nicht antraben oder angaloppieren. Wieder andere wehren sich gegen die Reiterhilfen und wirken widersetzlich. Ganz typisch ist, dass sich die Symptome bessern, sobald das Pferd aufgewärmt ist und sich eingelaufen hat.

Besteht der Verdacht auf Arthrose, sollte unbedingt ein Tierarzt hinzugezogen werden, um die Symptome abzuklären. Mit einer umfassenden Lahmheitsuntersuchung, Beugeproben und Röntgenuntersuchungen lässt sich feststellen, welches Gelenk betroffen ist. Frühzeitig erkannt, kann der Prozess zwar nicht rückgängig gemacht, doch zumindest aufgehalten werden.

Kann man Arthrosen vorbeugen?

  • Bei Verletzungen des Bewegungsapparates sollte das Pferd gründlich vom Tierarzt untersucht werden, da auch kleine Traumata zu Gelenksentzündungen führen können, die Arthrosen zur Folge haben.
  • „Kaltstarts“ und schnelle Gangarten auf zu hartem Boden können Mikroläsionen im Gelenksbereich verursachen.
  • Übergewicht belastet die Gelenke.
  • Regelmäßige Hufpflege minimiert das Risiko von einseitigem Druck auf die Gelenke.

Wie kann ich mein Arthrose-Pferd am besten unterstützen?

Abgesehen von schmerzstillenden Medikamenten, die bei akuten Arthroseschüben notwendig werden können, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, dem Arthrose-Pferd zu mehr Bewegungsfreude und Lebensqualität zu verhelfen.

Bewegung

Mäßige Bewegung hilft, die Gelenke fit zu halten. Leichte Arbeit – immer innerhalb der Komfortzone des Pferdes – stärkt die Muskeln und Bänder, die zur Stabilisierung des Gelenks beitragen, und regt die Produktion von Synovialflüssigkeit an. Außerdem kommen viele Pferde mit einer plötzlichen „Pensionierung“ schlecht zurecht und genießen gemütliche Ausritte mit einem Kumpel oder ausgedehnte Spaziergänge an der Hand.
Achtung: Steile Hänge, zu harten oder zu tiefen Boden vermeiden!

Manche Pferde verschaffen sich auf der Weide genau so viel Bewegung, wie ihnen guttut. Die langsame Bewegung beim Grasen ist für Pferde mit Arthrose optimal, jedoch sollte die Herdendynamik im Auge behalten werden: Eine ruhige, ausgeglichene Pferdegruppe, in der sich das an Arthrose erkrankte Pferd in seinem eigenen Tempo bewegen kann und weder herumgejagt noch zu wilden Rennen verleitet wird, ist für sein Wohlbefinden wichtig.   

Fütterung

Wenn sich das Pferd weniger bewegt, sollte der geringere Energieverbrauch bei der Futterration berücksichtigt werden, um Übergewicht und die damit verbundene Mehrbelastung der Gelenke zu vermeiden.

Physiotherapie

Wenn das betroffene Gelenk Schmerzen verursacht, nimmt das Pferd eine Schonhaltung ein, die sich auf Muskeln, Bänder, Sehnen und andere Gelenke auswirkt. Manualtherapien können den Folgeerscheinungen von Arthrose vorbeugen.    

Ergänzungsfuttermittel für den Knorpelaufbau

Eine Reihe von Ergänzungsfuttermitteln kann die Gesundheit der Pferdegelenke unterstützen. Die meisten enthalten Glucosamin, Chondroitinsulfat und/oder Hyaluronan (Hyaluronsäure) – drei Substanzen, die auch in den Gelenken vorkommen. Glucosamin soll zur Bildung und Regeneration von Knorpelgewebe beitragen, Chondroitinsulfat soll den Knorpel elastisch halten, und Hyaluronan hilft, die Gelenke zu schmieren. Als Alternative oder Ergänzung zu Glucosamin wird auch Avocado-Sojabohnenextrakt (ASU) angeboten.

Glucosamine sollen noch besser wirken, wenn sie in Kombination mit Omega-3-Fettsäuren eingenommen werden, die unter anderem in Leinöl und in Mikroalgen enthalten sind.

MSM (Methylsulfonylmethan) ist eine weiße, geruchlose, kristalline Substanz, die 34 % Schwefel enthält. Schwefel ist ein zentraler Bestandteil des Körpers, wirkt antientzündlich und antioxidativ und kann den Knochenstoffwechsel stimulieren. MSM kann als Monotherapie oder als Kombinationstherapie mit anderen Antiarthrose-Präparaten eingesetzt werden.

Kräuter für das Arthrose-Pferd

„Klassische“ Schmerzstiller wie Phenylbutazon und nicht-steroidale Entzündungshemmer bringen dem Pferd zwar kurzfristig Erleichterung, sollten aber nicht zur Dauermedikation werden, da sie den Stoffwechsel und speziell die Magenschleimhaut des Pferdes belasten. Der gern empfohlene Ingwer hemmt Entzündungen und den Knorpelabbau, kann aber in hohen Konzentrationen zu Magen-Darm-Beschwerden führen. Eine gute Alternative bietet eine Reihe von Heilkräutern, die zudem den Organismus nach dem Einsatz von Medikamenten entlasten können.

Teufelskralle wirkt durch das enthaltene Harpagosid schmerzstillend und entzündungshemmend und regt Botenstoffe an, die die Magenschleimhaut schützen.

Hohlzahn liefert neben dem entzündungshemmenden Stoff Harpagid, der auch in der Teufelskralle vorkommt, auch Kieselsäure, die den Gelenkknorpel schützt und kräftigt. 

Weidenrinde enthält die schmerzlindernd und entzündungshemmend wirkende Salicylsäure. 

Brennnessel hat ebenfalls einen hohen Gehalt an gut verwertbarer Kieselsäure und wirkt stoffwechselanregend und entgiftend.

Löwenzahn regt die Nierentätigkeit an und ist harntreibend und blutreinigend.    

Rosmarin fördert die Durchblutung und hat entzündungshemmende und antioxidative Wirkung.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Brendieck-Worm, C., & Melzig, M. F. (2018). Phytotherapie in der Tiermedizin. Stuttgart: Georg Thieme Verlag KG.
  • Meszoly, J. (Oktober 2020). Equus Magazine. Von https://equusmagazine.com/lameness/coping-with-arthritis-in-horses-8356 abgerufen
  • Oke, S. (Dezember 2020). theHorse.com. Von Equine Arthritis: https://thehorse.com/wp-content/uploads/2018/04/equine-arthritis-factsheet.pdf abgerufen
  • Reichling, J., Gachnian-Mirtscheva, R., Frater-Schröder, M., Di Carlo, A., & Widmaier, W. (2008). Heilpflanzenkunde für die Veterinärpraxis. Berlin-Heidelberg: Springer Medizin Verlag.
  • vetepedia. (Dezember 2020). Von Gesundheitsthemen: https://www.vetepedia.de/gesundheitsthemen/pferd/bewegungsapparat/arthrose/?gclid=CjwKCAiA0IXQBRA2EiwAMODil7nqcrvimbOYSsNLhDYK-9KFdYAVAeLfcewUegzU_j83nsbbL34rYBoCqdQQAvD_BwE&cHash=d524d49bde8519fabd2276a7a4f2244f&L=0 abgerufen
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