Mönchspfeffer

Ordnung:  Lippenblütlerartige (Lamiales)

Familie:  Lippenblütler (Lamiaceae)

Unterfamilie:  Viticoideae

Gattung:  Vitex

Herkunft und Vorkommen:

Mittelmeerraum über Südwestasien bis zur Krim und bis Pakistan

Wirkungsbestimmende Inhaltsstoffe:

Ätherisches Öl, Flavonoide, Iridoidglykosyde, Sesquiterpene, Triterpene

Hauptanwendungsgebiete in der Veterinärmedizin:

Auch in der Veterinärmedizin wird Mönchspfeffer erfolgreich eingesetzt um den Hormonhaushalt, vor allem bei Tieren mit starkem Geschlechtstrieb, positiv zu beeinflussen oder weibliche Tiere mit Zyklusstörungen zu unterstützen.

Hauptanwendungsgebiete in der Humanmedizin:

Prämenstruelles Syndrom, Zyklusstörungen, Wechseljahresbeschwerden

 

Bereits in der griechischen Geschichte taucht Mönchspfeffer als Anaphrodisiakum (ein Mittel, das den Geschlechtstrieb dämpft) auf. Zur Namensgebung kam es im Mittelalter. Die Pflanze wurde vorwiegend in Klostergärten angebaut und von Mönchen eingenommen um die Einhaltung des Keuschheitsgelübdes zu erleichtern. Der Mönchspfeffer wurde zum Symbol des enthaltsamen Mönchlebens. Heute findet der Mönchspfeffer vor allem Verwendung in der Behandlung typischer Frauenleiden, wie zum Beispiel PMS (prämenstruelles Syndrom, komplexe körperliche und emotionale Beschwerden im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus).

Die Gesamtheit der Wirkstoffe ist zyklusregulierend und beeinflusst direkt den Prolaktinspiegel im Blut, der u.a. die Produktion von Gelbkörperhormonen steuert, welche die Gebärmutter auf die Einnistung der befruchteten Eizelle vorbereiten. Ohne Gelbkörperhormone gerät der gesamte Zyklus aus dem Gleichgewicht und hemmt die Fruchtbarkeit.

Eine Studie hat gezeigt, dass Wirkstoffe des Mönchspfeffers am Opioidrezeptor anheften, was erklären könnte, warum der Mönchspfeffer bei Beschwerden des prämenstruellen Syndroms Linderung schafft.

Der Wirkmechanismus ist wissenschaftlich noch nicht zur Gänze geklärt. In geringen Dosen hemmt der Mönchspfeffer die Aktivierung der Dopaminrezeptoren, dies führt zu einem Anstieg der Prolaktinfreisetzung, was wiederum zu einer Absenkung des Gelbkörperhormons führt. In höheren Dosen bewirkt der Mönchspfeffer einen leicht gesenkten Prolaktinspiegel. Wiksam sind diesbezüglich vermutlich Diterpene mit Dopamin-analoger Wirkung. Bei Frauen beeinflusst eine Senkung des Prolaktins den FSH (Folikelstimulierendes Hormon)- und Östrogenspiegel, bei Männern sinkt dadurch der Testosteronspiegel.

Bisher wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Nebenwirkungen bekannt. Vereinzelt wurde in Studien über Kopfschmerzen, Hautreaktionen und Magen-Darm-Beschwerden berichtet.

Alternative Namen:

Keuschbaum, Keuschlamm, Liebfrauenbettstroh, Abrahamstrauch, Pfeffersalz, Tanis

 

Quellen

D.E. Webster, J.Lu, S.-N.Chen, N.R. Farnsworth, Z.Jim Wang: Activation of the μ-opiate receptor by Vitex agnus-castus methanol extracts: Implication for its use in PMS, Journal of Ethnopharmacology. Band 106, Nr. 2, 2006, S. 216-221D.E. Webster, Y.He, S.N. Chen, G.F. Pauli, N.R. Farnsworth, Z.J. Wang: Opioidergic mechanisms underlying the actions of Vitex agnus-castus L., Biochemical Pharmacology, Band 81, Nr. 1, 1. Januar 2011, D. 170-177

Verfasserin: Hannah Novak am 19.06.2019