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PSSM beim Pferd

Die (Equine) Polysaccharid-Speicher-Myopathie (Polysaccharide Storage Myopathy, EPSSM, PSSM) ist eine fortschreitende Erkrankung der Skelettmuskulatur des Pferdes, die akut zu sehr schmerzhaften Symptomen führt.

PSSM1 und PSSM2

PSSM wurde zunächst für ein rassespezifisches Problem von Quarter Horses gehalten, doch bald stellte sich heraus, dass auch andere stark bemuskelte Rassen wie Appaloosas, Paints, Kaltblüter, Haflinger und schwere Warmblüter von PSSM betroffen sind. Diese Pferde erkranken hauptsächlich an der genetischen Variante (PSSM1), die auf eine Genmutation zurückzuführen ist. Die zweite Variante (PSSM2), deren Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind, kann jedes Pferd treffen, vom Araber bis zum Noriker. Obwohl es sich bei PSSM1 und PSSM2 um schwere und unheilbare Muskelerkrankungen handelt, kann das betroffene Pferd bei optimaler Haltung und Fütterung trotzdem ein langes, beinahe normales Leben führen.

Wie funktioniert der Muskelstoffwechsel beim gesunden Pferd?

Muskeln brauchen Energie, um sich zusammenzuziehen und wieder auszudehnen. Diese Energie wird aus Nährstoffen und Sauerstoff gewonnen. Je mehr Arbeit die Muskeln des Pferdes verrichten müssen, desto mehr Energie benötigen sie.

Unsere Hauspferde gewinnen ihre Energie für den Muskelstoffwechsel aus Heu oder Gras und Kraftfutter. Die wichtigsten darin enthaltenen Nährstoffe, die Kohlehydrate, werden im Dünndarm zu Glukose (Traubenzucker) aufgespalten. Während die Umwandlung der Strukturkohlehydrate langsam vor sich geht, ist der Zucker aus (thermisch aufgeschlossenem) Getreide, Äpfeln, Melasse und anderen zuckerhaltigen Futtermitteln schnell verfügbar. Ein Teil davon wird sofort von Gehirn- und Nervenzellen verbraucht. Der andere Teil gelangt ins Blut und lässt den Blutzuckerspiegel ansteigen. Um den Blutzuckerspiegel zu regulieren, schüttet die Bauchspeicheldrüse Insulin aus, das an Rezeptoren auf den Muskelzellen andockt und dafür sorgt, dass die Zelle Zucker aus dem Blut aufnimmt. In den Muskelzellen wird die Glukose zu dem Polysaccharid (Mehrfachzucker) Glykogen umgebaut, das als eine Art Energievorrat im Muskel gespeichert wird. Wenn der Muskel arbeitet, wird das gespeicherte Glykogen wieder in Zucker zerlegt und unter Zufuhr von Sauerstoff zu Kohlendioxid und Wasser abgebaut. In diesem Prozess wird die Energie frei, die der Muskel für seine Arbeitsleistung braucht.

Was läuft in der Muskulatur des PSSM-Pferdes schief?

Die Muskelzellen des PSSM-Pferdes reagieren viel empfindlicher auf Insulin. Schon geringe Mengen von ausgeschüttetem Insulin führen dazu, dass mehr Glukose und Polysaccharide aus dem Blut aufgenommen werden und dass in den Muskelfasern 1,5- bis 4-mal mehr Glykogen gespeichert wird als beim gesunden Pferd. Einen solchen Energievorrat könnte das Pferd nur verbrauchen, wenn es andauernd schwere Arbeit leistet! Durch die Nahrungsaufnahme wird nun weiterhin Zucker nachgeliefert. Der Muskel kann aber nicht unbegrenzt Glykogen speichern. Der Überschuss wird in Stärke umgewandelt, aus der sich jedoch keine Energie gewinnen lässt. Was jetzt passiert, ist paradox: Der ursprüngliche Energieüberschuss durch die zu hohe Menge Glykogen führt beim PSSM-Pferd zu einem Energiemangel der Muskulatur, der sich in einer Reihe von Symptomen zeigt.

Warum erkrankt ein Pferd an PSSM1?

Bei PSSM vom Typ 1 ist eine Mutation im Gen GYS1 vorhanden, die im Labor nachgewiesen werden kann. Dieses Gen codiert ein Enzym, das im Muskel Zucker in Glykogen umwandelt, und wird autosomal-dominant vererbt. Das heißt, eine Stute, die PSSM-Einzelgenträger ist und nur von einer Elternseite belastet ist, gibt den Gendefekt mit 50 %iger Wahrscheinlichkeit an ihre Fohlen weiter. Findet sich der Gendefekt bei beiden Elterntieren des Pferdes, wird die Krankheit zu 100 % an die Nachkommen vererbt, und die Wahrscheinlichkeit, dass das Pferd und die Folgegeneration an PSSM erkranken, steigt.

Wenn das Pferd diese Genmutation hat, heißt das aber nicht zwangsläufig, dass es an PSSM erkranken wird. Untersuchungen haben gezeigt, dass je nach Pferderasse ca. 50 % der Pferde der betroffenen Rassen die PSSM1-Genmutation tragen, ohne – bei entsprechender Haltung und Fütterung – Symptome zu entwickeln. Solange Futteraufnahme und Bewegung bzw. Arbeit im Gleichgewicht waren, kam es laut dieser Studien nicht zu PSSM-Ausbrüchen. Bekamen die Pferde jedoch größere Mengen an leicht verdaulichen Kohlehydraten, wurden sie krank. So wird bereits diskutiert, ob es sich bei dem Gendefekt nicht um eine eigentlich „gesunde“ Mutation in der genetischen Bandbreite von Pferderassen handelt. Für Wildpferde, die sich bei kargem Futterangebot viel bewegen mussten, hätte die Fähigkeit, auch kleinste Blutzuckererhöhungen zur Energiegewinnung zu nutzen, evolutionäre Vorteile gebracht.

Welche Symptome hat ein Pferd mit PSSM1?

Die meisten PSSM1-Pferde zeigen die ersten Symptome erst beim Anreiten, wenn sie erstmals in ihrem Leben mehr Kraftfutter bekommen. Dem Pferdebesitzer fallen zunächst vielleicht wiederkehrende Lahmheiten, Taktunreinheiten und Muskelprobleme auf, die aber nicht gleich mit PSSM in Verbindung gebracht werden. Im fortgeschrittenen Stadium werden die Anzeichen deutlicher. Das Pferd wirkt träge und steif und will sich nicht bewegen, es wird schnell müde und schwitzt schon 10 bis 20 Minuten nach Beginn des Trainings, Herz- und Atemfrequenz sind erhöht. Manche Pferde versuchen sich zu wälzen. Der Krampfschmerz, Ängstlichkeit und Unruhe des Pferdes könnten mit Koliksymptomen verwechselt werden. Wird das Pferd, wie bei Koliken empfohlen, zu weiterer Bewegung gezwungen, verstärken sich die Symptome: Das Pferd zeigt starkes Schwitzen, Muskelzittern, aufgezogenen Bauch, sägebockartige Stellung. Die Muskeln der Hinterhand sind schmerzhaft verhärtet, und wie beim belastungsbedingten Kreuzverschlag (Tying-up-Syndrom, SER) setzt das Pferd dunkel gefärbten Harn ab (Myoglobinurie). Der dunkle Harn entsteht durch das Freiwerden des Muskelfarbstoffs Myoglobin bei massiver Schädigung von Muskelfasern. Durch das Myoglobin können die Nieren schwer geschädigt werden. Durch den Druck der verhärteten Muskulatur kann es zu Gefäß- und Nervenschädigungen kommen (Kompartementsyndrom).
Wird das Pferd weiter angetrieben, kann es in der Hinterhand einknicken und stürzen, es kommt auch oft zum Festliegen.  

PSSM-Symptome treten meist in Schüben auf, wobei sich die Bewegungsunlust mit der Zeit verstärkt. Die Rücken- und Kruppenmuskulatur bildet sich zurück. Das Pferd magert immer mehr ab. Besorgte Besitzer füttern den Pferden, die ja zunehmen sollen, dann mehr Kraftfutter, was zu einer Verschlimmerung der Symptome führt.

Erkranken können Pferde aller Altersstufen, Fohlen und Jungpferde seltener, mit dem Alter steigt das Risiko an. Männliche und weibliche Tiere sind gleich häufig betroffen. Auffällig ist, dass Freizeitpferde deutlich häufiger erkranken als Sportpferde. Auch wenn es keinen Beweis dafür gibt, wird angenommen, dass es sich bei der berüchtigten „Feiertagskrankheit“ der schweren Wagenpferde von anno dazumal ebenfalls um ein PSSM1-Geschehen handelte: Die Pferde erkrankten an Ruhetagen oft an Kreuzverschlag, wenn das Futter nicht einen Tag vorher reduziert wurde – traditionell wurden hart arbeitende Pferde mit zuckerhaltigen Rübenschnitzeln gefüttert.

Wie kann man feststellen, ob ein Pferd PSSM1 hat? Gibt es einen Test?

Mit einem Gentest kann abgeklärt werden, ob das Pferd Träger des mutierten Gens ist und an PSSM erkranken könnte. Untersucht werden entweder eine Blut- oder eine Haarprobe aus 20-30 Mähnen- oder Schweifhaaren mit Haarwurzeln. Der Test wird in Europa bis jetzt nur von einem einzigen Labor durchgeführt, das Ergebnis erhält man nach einer Woche. Zuchtverbände der betroffenen Rassen schreiben Gentests bereits vor. Das Ergebnis der Laboruntersuchung ist bindend – Pferde mit GYS1-Mutation werden nicht zur Zucht zugelassen.

Blutbild bei einem akuten Schub: Gemessen werden die Muskelenzymwerte Creatinkinase (CK) und Aspartattransaminase (AST) im Blut. Viele PSSM-Pferde haben schon im Ruhezustand erhöhte Werte, nach leichter Bewegung steigen die Werte um ein Vielfaches des Normalwertes. Regt sich das Pferd bei der Blutabnahme allerdings sehr auf, können die Werte verfälscht sein.

Den sichersten Nachweis von PSSM liefert eine Muskelbiopsie. Dabei wird am sedierten Pferd eine tiefe Gewebeprobe aus der Muskulatur ausgestanzt, die im Labor möglichst rasch untersucht werden muss. Mithilfe der Muskelbiopsie kann PSSM von anderen Muskelerkrankungen wie zum Beispiel spontanem belastungsbedingtem Kreuzverschlag und Shivering („Zitterkrankheit“) abgegrenzt werden. 

Was ist der Unterschied zwischen PSSM1 und PSSM2?

Die wissenschaftliche Forschung zu PSSM begann erst Anfang der 2000er-Jahre. Viele der untersuchten Pferde zeigten ganz ähnliche Symptome und ähnliche Biopsie-Befunde, doch bei einigen fehlte die für PSSM1 verantwortliche GYS1-Mutation. Für Muskelerkrankungen, die nicht mit genetischen Defekten in der Glykogenspeicherung in Zusammenhang stehen, wurde damals der Sammelbegriff PSSM2 eingeführt. Erst neuere Untersuchungsmethoden konnten zeigen, dass es sich bei PSSM2 um Defekte in den Muskelstrukturen handelt, die zur sogenannten Myofibrillären Myopathie (MFM) führen. Dass die Erkrankung ebenfalls mit Genmutationen in Zusammenhang steht, konnte erst kürzlich nachgewiesen werden. Es wurden vier genetische Varianten für PSSM2 gefunden, die semidominant vererbt werden und nahezu alle Pferderassen betreffen können, mit Ausnahme der Islandpferde. Betroffene Isländer tragen eine noch unbekannte Genmutation.

Wie auch bei der GYS1-Mutation werden nicht alle Träger der für PSSM2 verantwortlichen Genmutationen symptomatisch. Akute Schübe von PSSM2 treten auf, wenn genetisch belastete Pferde mehr Protein aufnehmen, als sie verbrauchen, z. B. wenn sie großem Stress ausgesetzt sind, oder bei Erkrankungen, Verletzungen oder Operationen. Manche Pferde reagieren auch empfindlich auf Impfstoffe, in diesem Fall sollten die Impfungen über einen längeren Zeitraum verteilt werden.  Unter guten Haltungsbedingungen und bei optimaler Ernährung entwickelt das betroffene Pferd möglicherweise nur milde oder gar keine Symptome. Heilbar ist PSSM2 jedoch nicht.

Die ersten Symptome zeigen sich ab dem 7. bis 10. Lebensjahr des Pferdes, also deutlich nach dem Erreichen der Geschlechtsreife. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass sich die Mutationen stark verbreiten konnten: Viele Pferde dieser Altersklasse werden lahmheitsbedingt oder aufgrund anderer körperlicher Einschränkungen aus dem Sport genommen und gehen in die Zucht.  

Was passiert bei PSSM2?

PSSM2 ist eine fortschreitende Erkrankung mit Muskelabbau, die durch einen fehlerhaften Aufbau von Strukturproteinen in den Muskelzellen verursacht wird. Eine Störung des Kohlehydratstoffwechsels liegt dabei nicht vor.

Bei PSSM2 kommt es zu einer abnormalen Verteilung des Glykogens im Muskel, wodurch bei einer histologischen Untersuchung der Anschein entsteht, es wäre zu viel Glykogen in den Muskelzellen gespeichert. Vereinfacht gesagt, können die Bausteine der Muskelzellen nicht mehr ganz korrekt hergestellt werden. Dadurch wird der Muskel kontinuierlich schwächer. Der Organismus des PSSM2-Pferdes braucht im Vergleich zum gesunden Pferd viel mehr Eiweiß, weil er ständig versucht, die Muskulatur mit Proteinen zu versorgen. 

Eiweißmangel in Stresssituationen – bei Verletzungen oder Krankheit des Pferdes, d. h. in Situationen, in denen der Körper mehr Proteine benötigt – löst bei betroffenen Pferden jedoch PSSM2-Schübe aus. Eine negative Stickstoffbilanz (hoher Eiweißverbrauch bei geringer Aufnahme) kann bei ihnen zu akuten Phasen von Muskelschwund führen. Speziell wenn vom Pferd Leistung gefordert wird, kann kein Brennstoff für die Zelle nutzbar gemacht werden. Die Zelle wird zerstört und muss vom Körper abgebaut werden. Muskelschmerzen, Muskelschwund sowie massive Nierenbelastungen sind die Folge. Solange aber Haltung und Ernährung des Pferdes richtig angepasst sind, entwickeln viele Pferde keine Symptome.

Bei Blutuntersuchungen von PSSM2-Pferden liegen die Werte für die CK und die AST oft im Normalbereich. Da kein Glykogenspeicherdefekt vorliegt, ist die Bezeichnung PSSM2 eigentlich nicht ganz richtig, wird aber weiterhin verwendet.

Welche Symptome hat ein Pferd mit PSSM2?

Die Symptome des PSSM2-Pferdes sind anfangs unklar. Das bisher motivierte Pferd wird zunehmend kraft- und lustlos – was viele Gründe haben kann. Es wirkt verspannt, sein Verhalten ist schmerzbedingt unkooperativ. Unterm Sattel, beim Tierarzt und beim Hufschmied benimmt es sich widersetzlich. Oft werden Trainer zu Rate gezogen, Manualtherapien angewendet, das Futter wird gewechselt, aber der Zustand des Pferdes bessert sich nicht. Wiederholt treten wechselnde Lahmheiten auf. Das Gangbild kann ataktisch oder unkoordiniert sein, das Pferd ist in der Hinterhand steif und zeigt generell wenig Raumgriff. Kreuzverschlag kommt bei PSSM2 im Vergleich seltener vor. Wenn die Krankheit fortschreitet, kommt es zu starkem Muskelschwund im Hinterhand- und Schulterbereich und an der Rückenlinie, andere Pferde leiden unter lokalem Muskelabbau, was „Dellen“ in der Muskulatur zur Folge hat. Diese Dellen könnten mit Trittverletzungen verwechselt werden.

Eine spezielle Variante der Genmutation, Variante Px, die bei hoch im Blut stehenden Pferden wie Vollblütern, Arabern und leichten Warmblütern vorkommt, führt zu Recurrent Exertional Rhabdomyolysis (Wiederkehrendem belastungsbedingtem Verschlag, RER). Die Symptome treten schubweise bei Stress und Belastung auf, besonders im Training von sehr nervösen, leicht erregbaren Pferden. Vor allem zweijährige(!), im Training stehende Rennpferde sind häufig von RER betroffen. Bei Jungpferden sind Stuten anfälliger für RER als Hengste und Wallache. Typisch sind Bewegungsunlust, hohe Nervosität, Verspannungen, Muskelzittern, dunkel gefärbter Harn und starkes Schwitzen. Bei RER-Pferden sind die CK und die AST im Blut stark erhöht. Auslöser der Erkrankung ist wahrscheinlich eine Störung des kalziumabhängigen Mechanismus, der Muskelkontraktion und -entspannung reguliert.

Wie wird PSSM2 diagnostiziert?

Mithilfe eines Gentests kann PSSM2 von anderen Muskelerkrankungen abgegrenzt werden. Der Gentest kann bei Pferden jeden Alters auch schon vor Auftreten von Symptomen durchgeführt werden, z. B. bei einer Ankaufsuntersuchung oder vor dem Einsatz in der Zucht. Für Pferde mit unklaren Lahmheiten und/oder starkem Muskelabbau und Leistungsschwäche ist der Test auf jeden Fall empfehlenswert!

Muskelbiopsien sind nur bei akuten Schüben sinnvoll, da PSSM2 außerhalb der Akutphase in der Probe nicht zu erkennen ist.

Was ist bei der Haltung eines PSSM-Pferdes zu beachten?

Für die Haltung eines PSSM-Pferdes spielt es eine große Rolle, ob das Pferd lediglich Träger eines mutierten Gens oder bereits erkrankt ist. Verlässliche Alltagsroutinen, Stressreduktion und regelmäßige Bewegung tun PSSM-Pferden in jedem Fall gut. Speziell für RER-Pferde ist ein durchdachtes Stress-Management in der Haltung sehr sinnvoll, Aufregung sollte vermieden werden.
Auslaufhaltung mit anderen Pferden sorgt für Aktivität und Beschäftigung und gibt dem Pferd die Möglichkeit, sich frei zu bewegen und fit zu bleiben. Reine Boxenhaltung ist für PSSM-Pferde kontraproduktiv.

Darf ein PSSM-Pferd trainiert werden?

Abhängig vom Gesundheitszustand des Pferdes kann regelmäßiges Training sehr hilfreich sein. Für Pferde, die keine Symptome zeigen, ist Training sogar dringend notwendig, um die übermäßige Einlagerung von Glykogen abzubauen! Die Anforderungen sollten aber, wenn überhaupt, nur langsam und sehr vorsichtig gesteigert werden. Das Pferd darf auf keinen Fall überfordert werden! Optimal wäre es, mit dem Pferd zweimal täglich zu arbeiten, was für die meisten Pferdehalter allerdings schwer machbar ist. Grundsätzlich gilt: Je fitter und zufriedener das PSSM-Pferd ist, desto geringer ist das Risiko für das Ausbrechen der Krankheit oder einen PSSM-Schub und desto höher ist seine Lebenserwartung.

Achtung: Manualtherapien, die aktivierend auf die Muskulatur wirken und das Wohlbefinden von Pferden steigern können, sollten bei PSSM-Pferden nicht angewendet werden!

Was ist bei der Fütterung von PSSM-Pferden zu beachten?

PSSM1 bedeutet für die Pferde selbst vor allem eines: lebenslange Diät. PSSM1-Pferde vertragen leicht verfügbaren Zucker ausgesprochen schlecht, egal, ob sie die genetische Veranlagung dazu haben oder bereits erkrankt sind. Leicht verdauliches Futter, das Zucker, Stärke und Eiweiß enthält, sollte durch ausreichend Heu ersetzt werden. Die Mindestmenge liegt dabei bei 1,7 kg Heu/100 kg des Pferdes. Silage und Heulage sind für PSSM1-Pferde aufgrund des sauren ph-Werts nicht geeignet. Leider stehen auch beliebte Belohnungen wie Äpfel, Karotten und auch die begehrten Leckerlis auf der schwarzen Liste. Damit das Pferd nicht um das Highlight des Tages umfällt und frustriert vor dem leeren Trog steht, kann man ihm als Alternative eine Handvoll eingeweichte Heupellets anbieten.

Fresspausen sollten nicht länger als vier Stunden dauern. Zwischen den Mahlzeiten kann man das Pferd mit „Knabbermaterial“ wie Zweigen oder Stroh bei Laune halten. Kraftfutter sollte wirklich nur dann gefüttert werden, wenn das Pferd Energie für zusätzliche Arbeit braucht, und auch dann nur in geringen Mengen. Mehrere kleine Kraftfuttermahlzeiten mit leicht aufschließbaren Kohlehydraten sind besser als eine oder zwei große, da der Blutzuckerspiegel nicht so stark ansteigt. Vor dem Kraftfutter sollte das Pferd immer Heu bekommen, um den Blutzuckerspiegel durch langsam verdauliche Kohlehydrate zu regulieren.

Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass die Futterumstellung zu einer deutlichen Verbesserung des Muskelstoffwechsels von PSSM1-Pferden beiträgt. Bei höherem Energiebedarf können Pflanzenöle anstelle von stärkehaltigem Getreide verfüttert werden. Der Bedarf an Fett dürfte bei PSSM1-Pferden generell höher sein. Als Fettlieferant werden Reiskleie, Maiskeim- oder Sonnenblumenöl und ganz besonders Leinöl empfohlen, das aufgrund seines hohen Gehalts an Omega-3-Fettsäuren auch entzündungshemmend wirkt. Das Pferd sollte langsam an höhere Gaben von Ölen gewöhnt werden, da PSSM-Pferde plötzliche Futterumstellungen besonders schlecht vertragen.

Die Futtermittelindustrie bietet bereits zucker- und stärkereduzierte Fertigfuttermischungen für PSSM1-Pferde an – es empfiehlt sich, die Zusammensetzung genau zu lesen.

Bei Pferden mit PSSM2 ist es wenig zielführend, den Zucker im Futter zu reduzieren, um eine Besserung der Symptome zu erreichen, da keine Störung des Kohlehydratstoffwechsels bzw. der Glykogenspeicherung im Muskel vorliegt. Von PSSM2 betroffene Pferde haben einen erhöhten Bedarf an Proteinen. Unter Stress und bei Leistungsanforderungen kann der Proteinbedarf von PSSM2-Pferden kurzfristig bis zu sechsmal höher sein als bei gesunden Pferden! Da aber gerade Pferde mit RER zu Aufgeregtheit und Anspannung tendieren, sollte man zu hohe Kraftfuttergaben besser vermeiden. Als Alternative bietet sich eine Fütterung mit hohem Fett- und Proteinanteil an.

Die Ergänzung der Ration durch die Aminosäuren Lysin und Methionin wirkt sich positiv auf die Muskulatur aus. Eine aktuelle Studie kommt weiters zu der Schlussfolgerung, dass die muskulären Schäden auf die Oxidation von Proteinen und einen Mangel an Antioxidantien zurückzuführen sind. Eventuell könnte also eine Nahrungsergänzung mit antioxidativen Wirkstoffen zur Verbesserung der Symptome beitragen.    

Brauchen PSSM-Pferde zusätzliches vitaminisiertes Mineralfutter?

Die meisten fertigen Futtermischungen sind mit Mineralstoffen und Vitaminen angereichert. Wird die Menge reduziert oder verzichtet man ganz darauf, sollte auf die bedarfsgerechte Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen für PSSM-Pferde besonders geachtet werden. Selbstverständlich soll das Mineralfutter möglichst wenig Zucker enthalten!

Vitamin E ist für das Muskelgewebe des Pferdes unentbehrlich. Es fördert die Zellregeneration und wirkt antioxidativ. Hoch dosiertes Vitamin E kann zu einer Besserung der PSSM-Symptome führen.

Achtung: Bei Fütterung von Ölen steigt der Vitamin E-Bedarf an!  

Selen schützt wie Vitamin E die Zellmembran und ist ein Radikalfänger. Es trägt zur Lockerung der starren Muskulatur bei und erhöht die Leistungsfähigkeit.

Durch Stress in Kombination mit dieser Erkrankung kann es bei Pferden zu einem Mangel an Vitamin C kommen.  

Vitamin B, das „Nervenvitamin“, wirkt unterstützend bei Nervosität.

Elektrolyte können die Durchblutung der Muskulatur kurzfristig verbessern.
Bei stark schwitzenden Pferden kann es zu einer Unterversorgung mit Natriumchlorid (NaCl, Kochsalz) kommen, da sie die benötigten Mengen nicht mehr durch einen Salzleckstein aufnehmen können. Außerdem fördert NaCl die Aufnahme von Flüssigkeit.

Bei Muskelabbau und muskulären Erkrankungen braucht das Pferd essenzielle Aminosäuren, die in zahlreichen Futtermitteln wie z. B. in Luzerne,  getrockneter Bierhefe und in Mineralstoffmischungen enthalten sind. Die essenziellen Aminosäuren L-Carnithin, L-Lysin und Methionin wirken sich positiv auf die Muskelzellen aus.

Wie kann ich mein PSSM-Pferd zusätzlich unterstützen?

Omega-3-Fettsäuren haben entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften. Sie sind in Leinöl, Leinsamen und Spirulina enthalten. Spirulina liefert außerdem essenzielle Aminosäuren und Vitamin B.
Traubenkernextrakt (OPC) verkürzt die Regenerationszeit der Muskulatur.

Kräuter für PSSM-Pferde:

Hagebutte liefert viel Vitamin C.
Sanddorn
enthält neben einem hohen Anteil an Vitamin C auch Vitamin E, Vitamin B und essenzielle Aminosäuren.
Brennnessel, Birkenblätter und Löwenzahn fördern die körpereigene Entgiftung und unterstützen die Nierenfunktion.
Weißdorn regt die Durchblutung an und stützt den Kreislauf.
Ginkgo wirkt antioxidativ und durchblutungsfördernd und kann den Aufbau von Muskelgewebe unterstützen.  

Akute PSSM – was tun, bis der Tierarzt kommt?

Ein Pferd mit einem akuten PSSM-Schub muss sofort tierärztlich behandelt werden. Es leidet unter extremen Schmerzen, die, verbunden mit Unbeweglichkeit, beim Fluchttier Pferd Todesängste auslösen. Das Pferd sollte sofort in eine dick eingestreute Box gebracht werden, um Verletzungen durch einen Sturz zu verhindern. Wenn Symptome im Gelände, weit entfernt vom Stall auftreten, ist es besser, einen Transporter zu organisieren, als das Pferd an der Hand heimzuführen – Heimreiten wäre ein No-Go! Bis der Tierarzt eintrifft, sollte das Pferd ruhiggehalten, eingedeckt und warmgehalten werden – ev. mit einer Rotlichtlampe – und sich so wenig wie möglich bewegen. Wasser anbieten, um eine Nierenschädigung durch Dehydrierung zu verhindern!

Quellen und weiterführende Literatur

  • Coenen, M., & Vervuert, I. (2020). Pferdefütterung (6. Ausg.). Stuttgart: Georg Theme Verlag KG.
  • Cox, M., & Hoffmann, H. (02 2019). PSSM2-erblich bedingte Muskelerkrankung. Professional Pferd.
  • Fritz, C., & Maleh, S. (2016). Zivilisationskrankheiten des Pferdes. Thieme.
  • Gerber, V., Venner, M., & Straub, R. (2016). Pferdekrankheiten: Innere Medizin (2. Ausg.). (V. Gerber, & R. Straub, Hrsg.) Bern: utb.
  • Szauter, P. (13. Oktober 2019). EquiSeq. Von Arabian MFM: http://equiseq.com/blog/arabian-mfm abgerufen